Geschichte von Schloss und Rittergut Völkershausen

Rittergut Voelkershausen(1200x600)

Rittergut Völkershausen liegt unmittelbar an der Werra in Nordhessen, umgeben vom gleichnamigen Fachwerkdorf, etwa 10 km von der Kreisstadt Eschwege entfernt. Erbaut wurde das Gut im 14. Jahrhundert von der Familie „von Völkershausen“. Aus dieser Zeit stammt der Kirchturm, das älteste noch erhaltene Bauwerk des Gutes. Nach wechselnden Besitzverhätnissen wurde das sogenannte „Rote Schloss“ ( benannt nach dem roten Sandstein) im  dreißigjährigen Krieg um 1630 von Tillys Truppen niedergebrannt.

1650 erwarb Johann Leopold von Geyso das Gut und baute Teile der Schlossanlage wieder auf. Nach dem Verkauf an General Wolf Dieter Freiherr von Verschuer im Jahr 1722 erhielt die Gutsanlage in den Jahren 1728/1729 im Wesentlichen seine heutige Grundform. Aus dieser Zeit stammt auch das Barockportal mit dem aus Sandstein gearbeiteten Wappen. Die Kanonen rechts und links des Wappens verweisen auf die kriegerische Vergangenheit des Erbauers. Für die 1729 fertiggestellte Kirche wurden vermutlich noch erhaltene Mauern des alten „Roten Schlosses“ verwendet, denn man erkennt noch heute Umrisse eines großen Tores, das sicherlich Eingang zum „Roten Schloss“ war. Die mangelhaften Wirtschaftsgebäude wurden durch massive Stallungen aus rotem Sandstein ersetzt und die Anlage zu einem großen rechteckigen Wirtschaftshof mit am Südflügel angrenzendem Herrenhaus umgebaut.

1798 erwarb Landgräfin Wilhelmine Luise von Hessen-Philippsthal-Barchfeld das Gut und baute das Herrrenhaus als klassizistischen Fachwerkbau mit Schmuckfassaden 1802 in seiner jetzigen Erscheinungsform aus. Sie erstellte auch die gegenüberliegende Brennerei, vermutlich unter Verwendung alter Mauern des ehemaligen Roten Schlosses.

1835 erwarb der letzte Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel (*1802-1875) Gut und Schloss und schenkte es seinem Sohn Prinz Moritz von Hanau(*1832-1889) , der die Anlage mit sämtlichen Ländereien wegen seiner Spielschulden – so der Volksmund!- 1872 veräußern mußte.

Der Käufer, Otto Freiherr von und zu Gilsa, gestaltete den Park zum Landschaftspark um und umgab diesen 1882  mit einer hohen Sandsteinmauer. Eine zweistöckige Veranda wurde südlich an das Herrenhaus mit Blick auf die Werra angebaut. Ein nahegelegenes Witschaftsgebäude wurde zum Küchenhaus umgebaut und durch einen überdachten Gang mit dem Herrenhaus verbunden, damit die Speisen trockenen Fußes zum Herrenhaus gebracht werden konnten. Ein Sanitärtrakt mit Badezimmern, der sogenannte “ Neubau“ wurde 1880, angrenzend an den Kirchturm , erstellt.

Ein Großbrand im Jahre 1916 hat große Teile des Wirtschaftshofes vernichtet. Der aus Sandstein erbaute Barockstall neben dem großen Eingangsportal war bis auf die Frontmauer nahezu vollständig niedergebrannt. Er wurde 1921 /22 überwiegend mit modernen Baumaterialien wieder hochgezogen, aufgestockt und zur Straßenseite mit einer verputzten Fassade im Stil der Neurenaissance versehen. Die gegenüberliegende große Scheune wurde unter Aufrechterhaltung der Sansteinfassade erhöht. Die nördlichen Wirtschaftsgebäude wurden zum größten Teil ebenfalls in geringfügig abgewandelter, den modernen Bedürfnissen der Landwirtschaft angepasster Form, wieder erstellt.

Der unverheiratete Sohn, Friedrich Freiherr von und zu Gilsa, übertrug das Gut 1953 auf den aus dem badischen Dierburg stammenden Neffen, Hans-Egenolf Freiherr Roeder von Diersburg, der es 1986 an seinen Sohn und jetzigen Eigentümer, Peter Freiherr Roeder von Diersburg, übertrug.