Schwedische Antiquitäten auf Rittergut Völkershausen


Schwedische antike Möbel aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert sind Gegenstand der ständigen Verkaufsausstellung auf dem Rittergut Völkershausen in Nordhessen. Hier finden Sie auf über 600 qm verschiedene Sitzmöbel aus der Zeit des Rokoko und der gustavianischen Epoche, umgeben von schlichten  Kommoden, Aufsatzschränken, Konsolen und Spiegeln.

Die Zeit der schwedischen Könige mit dem Epoche-prägenden Namen „Gustav“ schliesst unmittelbar an die Zeit des Rokoko an und umfasst die Stilepoche, die in Deutschland allgemein als „Louis-Seize“ bezeichnet wird(Gustav II, 1771-1792) und reicht bis zum Empire (Gustav IV, 1771-1809). Allgemein ist für diese umfassende Epoche auch der Begriff des “ Klassizismus“ gebräuchlich.

Über 300 Stühle hat Martina v. Roeder über Jahre zusammengetragen. Um die Nachfrage, insbesondere auch nach grossen Stuhlsätzen zu befriedigen, können einzelne Stuhlformen nur nach und nach zu grösseren Sätzen ergänzt werden.  Etwa 30 Sofas und Bänke, passend zu den einzelnen Stuhlmodellen,  runden das reichhaltige Programm an Sitzmöbeln ab.

Warum üben gerade schwedische Rokoko- und gustavianische Sitzmöbel eine so grosse Faszination aus?
Die Frage lässt sich leicht beantworten, wenn man die grosse Tradition und Entwicklungsgeschichte dieser Möbelkultur betrachtet: ähnlich wie in Frankreich hat sich der Adel und das Grossbürgertum  den höfischen Stil Mitte des 18. Jahrhunderts vom Königshaus abgeschaut und perfekt kopiert: Farbige Siedenbespannungen, Tapisserien und Holzvertäfelungen umgaben die höfischen Säle und Kabinette und fanden das Hauptaugenmerk des Betrachters. Sitzmöbel sollten den Raum nicht belasten, sondern gewissermassen vor den imponierenden Hintergründen verschwinden. Sie wurden deshalb in zarten unauffälligen Farbtönen gestaltet (gefasst), die der Umgebung entsprachen. Die Formenvielfalt der Sitzmöbel erreichte eine bis dahin nie dagewesene Blütezeit.

Beim Bürgertum und auf kleinen Höfen wurde der Stil sehr viel einfacher, aber ebenso effektvoll nachempfunden: statt Seidenbespannung gab es bemalte Jute oder schlicht bemalte Wände. Holztäfelungen wurden entweder nur imitiert oder sehr viel einfacher gestaltet. Leinen statt Seide auf den Sitzmöbeln. Einfache Dielen statt Parkett auf den Böden. Aufkommende Öfen schufen die Behaglichkeit in kalten Wintertagen.

Heute stehen junge Menschen mit ihren Wohnkonzepten vor ähnlichen Herausforderungen. Die Schlichtheit der Räume soll nicht durch Möbel gestört werden, die den Raum belasten. Die Einfachheit der damals entwickelten Wohnkonzepte ist heute noch genauso gültig wie damals. Gerade in der Hektik, Schnelligkeit und Lautstärke des Alltags sind Wohnkonzepte gefragt, die Ruhe verbreiten und den Betrachter mit geordneter Geborgenheit umgeben. Die schwedischen Stuhlbauer haben gerade im 18.und beginnenden 19. Jahrhundert eine Formensprache von geradezu atemberaubender Schlichtheit kreiert, die bis in die heutige Zeit Gültigkeit hat. Auch Kommoden, Schränke, Sekretäre und Konsolen sind in ihrer einfachen ruhigen Ausstrahlung eine Wohltat fürAugen und Gemüt.

Die Farbgestaltung, als Fassmalerei bezeichnet, hat ihren sprachlichen Ursprung in der Skulpturenmalerei: schon in der Renaissance waren die Gewänder der kirchlichen Figuren meist mit einer Blattversilberung oder -vergoldung unterlegt, sogenannte Gold-oder Silberfassung, auf die dann der pigmentierte Farbauftrag erfolgte. Diese Metallfassung schien durch die pigmentierte Schicht hindurch und brachte diese zum Leuchten. Obwohl Möbel selten eine Metallunterlegung vorzuweisen haben, hat sich der Begriff der Fassmalerei auch bei der Möbelmalerei durchgesetzt. Man spricht deshalb im heutigen Sprachgebrauch allgemein von „gefassten“ Möbeln, wenn diese nicht holzsichtig sind.